Kirche St. Laurentius

Die Pfarrkirche St. Laurentius in Unteralpfen wurde in den Jahren 1662-1665 im Stil der ausgehenden Renaissance erbaut. Der Turm stand ursprünglich an der Nord-Ost-Seite und musste wegen Baufälligkeit und unsicherem Grund im ausgehenden 19. Jahrhundert abgerissen werden. Ein neuer Turm im romanischen Stil entstand in den Jahren 1905/1906 und zur gleichen Zeit wurde das Kirchenschiff vergrößert und eine neue Sakristei erbaut. Von großer Handwerkskunst zeugen die Steinmetzarbeiten an Kirche und vor allem am mächtigen Turm, welchen man bei der jüngsten Außenrenovierung 1983/84 besondere Sorgfalt schenkte.
Kirche, Pfarrhaus, Pfarrscheune gelten als historische Kulturdenkmale, denn sie geben Zeugnis vom einstigen Leben einer Pfarrei und ihres Pfarrherrn. Dazu gehörte auch der Gottesacker. Teile des heutigen Friedhofes befinden sich noch an ursprünglicher Stelle und zusammen mit der Pfarrwiese erhält der Besucher eine Ahnung von der einstigen Größe der Pfarrei Unteralpfen.
Den Bau der ein-schiffigen Steinkirche mit im Osten angrenzender Apsis veranlassten die damaligen Patronatsherren von Zweyer, die lange Zeit das Kirchenpatronat und die Ortsherrschaft von Unteralpfen inne hatten. Anna-Beatrix von Schönau, Gemahlin von Johann Franz Zweyer von Evebach, gilt als Stifterin der Kirche, und das Ehewappen am Chorbogen erinnert an die Stifterfamilie. Aus dieser ersten Zeit ist noch die Kanzel im Innenraum erhalten. Sie beeindruckt mit ihren zierlichen und feinen Holzarbeiten und reichen symbolischen Aussagekraft.
Um 1888/89 erfuhr das Kircheninnere eine große Umgestaltung. Neue Altäre wurden von den Unteralpfener Holzbildhauern Leopold und Jakob Mutter, welche ihre Werkstätten in München hatten, geschaffen. Die Künstler fertigten die Altarbauten im wiederentdeckten neugotischen Stil, mit typischen Fialen und Kreuzblumen. Doch auch antike Elemente wie Säulen und Rundbögen wurden eingearbeitet. Von hoher Bildhauerkunst zeugen die natürlich fein herausgearbeiteten, in warmen Farben gefassten stehenden Figuren von Heiligen am Hochaltar und Seitenaltären. Den Betrachter fasziniert vor allem die überragende Figur des Auferstandenen Christus in ihrer ausdrucksstarken Lebendigkeit.
Ebenfalls aus dieser Zeit stammen die bleiverglasten Buntglasscheiben der Fenster, mit Heiligendarstellungen und das einfallende Licht hüllt das Kircheninnere in eine unwirklich erscheinende Dämmerung, aufgehellt einzig durch die Lichtspiele der Sonne.
Auch eine neue Orgel erhielt die Kirche zum ausgehenden 19. Jahrhundert. Die historische Merklin-Orgel erfreut bis in die heutigen Tage mit ihrem warmen, vollen Klang die Gottesdienstbesucher, verlangt aber von den jeweiligen Organisten hohes Können und ein sensibles Spiel.
Der Namenspatron der Kirche ist der Heilige Laurentius. Eine Szene aus seinem Heiligenleben ist an der Südwand des Langhauses dargestellt.
Das Angelus-Läuten erklingt in Unteralpfen um 6:00, 11:00 und 19:00 Uhr. (Das Angelusläuten ist in der Katholischen Kirche das morgendliche, mittägliche und abendliche Läuten der Kirchenglocken, bei dem das Angelusgebet gebetet wird) .Samstags wird zusätzlich um 17:00 Uhr der Sonntag "eingeläutet (Feierabendläuten). Da die ersten Glocken in den beiden Weltkriegen eingeschmolzen werden mussten , kamen 1955 neue Glocken in den Glockenstuhl. Nur das kleine Sterbeglöcklein ist noch vom ursprünglichen Geläute übrig.
Die reiche symbolische Aussagekraft der Kirche wird vertieft durch die Malereien an der Holzkassettendecke. Während die Symbolik im Langhaus an die Passion Christi erinnert künden die Malereien in der Apsis von den Endzeitvisionen des Evangelisten Johannes.
Das heutige Aussehen der Kirche ist einer sensibel durchgeführten Innenrennovation in den Jahren 1994/95 zu verdanken. Dabei hat wieder ein Künstler aus Unteralpfen neue Akzente gesetzt. Dem in Unteralpfen wohnhaften Holzbildhauer Heinz Faller gelang das Kunststück, aus der alten Kommunionbank den heutigen Celebrationsaltar und den Ambo zu schaffen und harmonisch in das Altarensemble einzufügen. Aus seiner Hand stammt auch der wunderschöne Osterleuchter und die Pieta, die heutige Kirchenbesucher zur stillen Andacht einlädt. Silvia Albiez
